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Siemens-Martin-Werk

     
Stahl wird aus Roheisen hergestellt, indem man den Kohlenstoffgehalt unter etwa 1,7 % senkt und die anderen verunreinigenden Elemente weitgehend entfernt. Dieser Vorgang erfolgt durch das "Kochen" im Stahlofen und wird auch als Frischen bezeichnet. Beim Siemens-Martin-Verfahren wird die Temperatur im Ofen auf 1600 - 17000 C gesteigert und die Schmelze abgegossen. Die Temperatursteigerung wird durch Vorwärmung von Gas und Luft oder allein von Luft mit Ölbrennern auf 1000 - 12000 C erreicht. Der feste Einsatz aus Schrott, Roheisen und Kalk wird in Mulden mit Hilfe von Chargiermaschinen (chargieren = beladen) eingesetzt, der flüssige Einsatz von Roheisen wird über eine Rinne eingegossen.



Im Siemens-Martin-Ofen wird sowohl Roheisen gefrischt als auch Alteisen umgeschmolzen. Das Frischen erfolgt durch den Luftüberschuss der Flamme und durch Zugabe von Erz.
Das "Kochen" der Schmelze, durch die Oxidation des Kohlenstoffs zu Kohlenoxidbläschen im Bad hervorgerufen, bringt das Stahlbad mit der Schlacke zur Reaktion und Wärmeaufnahme und fördert die Entgasung der Schmelze von Stickstoff und Wasserstoff. Das Siemens-Martin- Verfahren dauert relativ lange, ermöglicht aber die Herstellung von Qualitätsstahl. Allerdings ist das Siemens-Martin-Verfahren sehr umweltfeindlich, weil der Staubgehalt der Abgase sehr hoch ist.

Im Peiner Walzwerk stellte das um 1900 aufgebaute Siemens-Martin-Werk seinen Betrieb im Jahre 1959 endgültig ein. Das Stahlherstellungsverfahren wurde durch das Sauerstoffaufblas-Verfahren abgelöst. Dabei wird der Konverter in der Füllstellung mit Schrott und flüssigem Roheisen beschickt . Anschließend wird er aufgerichtet und reiner Sauerstoff mit 8 bis 12 bar auf den Einsatz geblasen. Nach einigen Sekunden beginnt eine stürmische Reaktion des Sauerstoffs mit den Eisenbegleitern, welche die Schmelze kochen lässt. Nun wird Kalk zugegeben. Er bildet die flüssige Schlacke und bindet die festen Abbrandprodukte.

Heute erfolgt die Stahlherstellung im Peiner Walzwerk ausschließlich durch das Elektrostahl-Verfahren. Hierbei wird die zum Schmelzen erforderliche Wärme durch einen Lichtbogen erzeugt. Der Lichtbogenofen wird in Peine nur noch mit mit Schrott beschickt. Außerdem wird noch Kalk zur Schlackenbildung hinzugegeben. Der von den Elektroden zum Schmelzgut verlaufende Lichtbogen erzeugt Temperaturen bis zu 35000 C. Mit einem Lichtbogenofen kann man alle Stahlsorten herstellen.