Zementfabrik Hemmoor

Gründung Die Arbeiter Bauten Das Werk
Fabrikbilder
Das Ende Was bleibt?



Das Werk

Nachdem in Hemmoor bei Bohrungen Kreide und Ton gefunden worden waren, errichteten die Stader Kaufleute J. Hagenah und A. Schulz 1862 eine Kalkbrennerei und eine Ziegelei. Der Absatz des Kalks und der Ziegelsteine lief gut, sodass Hagenah 1866 den Entschluss fasste, eine Zementfabrik zu gründen. Zum Werk gehörte auch ein Stall mit Pferden, die den Zement zum Hafen brachten und Rohstoffe für die Produktion zum Werk fuhren.

Die Zementherstellung war primitiv. Kreide und Ton wurden im Verhältnis 3:1 gemischt. Daraus machte man Dünnschlamm (80% Wasser), aus dem Feuersteine und große Kreidestücke ausgesiebt wurden. Der Schlamm wurde dann in große Absetzbecken geleitet (50 x 70 m), in denen das Wasser verdunstete oder abgepumpt wurde. Den Hauptteil des Fabrikgeländes nahmen zu der Zeit die Absetzbecken ein. Aus dem nun relativ festen Schlamm machten dann Arbeiter sogenannte Knudel (Knudel sind etwa kindskopfgroße Stücke breiigen Schlamms), die auf Gestellen (später in Koksöfen) getrocknet, dann in Schachtöfen bei 1.400 °C zu Klinkern (etwa haselnussgroße Zementstücke) gebrannt und schließlich zu Zement vermahlen wurden.

1880 wurden auf diese Weise in 35 Schachtöfen (2 - 3m Durchmesser; 12 - 15m hoch) 25.500 t Zement produziert, obwohl alle Arbeiten per Hand erfolgten und nur Rinnen, Loren und Schiebkarren als Transportmittel zur Verfügung standen.

1883 konnte durch eine Modernisierung des Werkes die Produktion auf 42.500 t gesteigert werden. 1884 wurden Schienen nach Schwarzenhütten (dem werkseigenen Hafen an der Oste, einem schiffbaren Nebenfluss der Elbe) verlegt, auf denen erst nur Loren mit Pferden fuhren, später aber auch werkseigene Lokomotiven. Im selben Jahr wurde das Werksgelände auf zuletzt 370 ha erweitert. Der Inlandsverkauf von Zement fand nun in Säcken statt, sodass sehr viele Sackflickerinnern eingestellt werden mussten.

1886 wurde ein Schmalspurgleisanschluss zum Bahnhof errichtet. In den folgenden Jahren wurden die Schlammgruben und Trocknungsanlagen, immer der Produktion folgend, ausgebaut.

Die Fabrik 1890

1893 konnte die Produktion durch Investitionen in Höhe von drei Millionen Mark von 200.000 auf 500.000 Faß gesteigert werden. Elektrischen Strom bekam Portland 1896. Es wurde eine mechanische Küperei (norddeutsch für Böttcherei) eingerichtet, die es erlaubte, 1.500 Holzfässer in 10 Stunden herzustellen.

1899 wurde der erste Drehofen der Welt in Hemmoor gebaut, mit einer Tagesleistung von 34 t. Dadurch wurden die Knudelbäcker und Trockeneinrichtungen überflüssig; auch die 43 Schachtöfen hatten ausgedient, wodurch viel Kohle eingespart wurde.

Um die Jahrhundertwende arbeiteten 2.000 Menschen in der Fabrik; unter ihnen waren 600 Fremdarbeiter aus dem Osten (s. Abschnitt Die Arbeiter).

1906 waren schon 6 Drehöfen gebaut und 1910 wurde zum ersten Mal die 1.000.000.-Faßgrenze überschritten. Der Dünnschlamm (80% Wasser) konnte aufgrund neuer technischer Erkenntnisse durch sogenannten Dickschlamm (nur noch 45% Wasser) ersetzt werden, wodurch die Brennstoffkosten um 50% gesenkt wurden.

Die folgenden Jahre standen bei Portland im Zeichen des Krieges und der Inflation. Erst 1925/27 ging es wieder bergauf, sodass Löffelbagger angeschafft werden konnten, die den Ton, der vorher von Hand verladen wurde, nun maschinell aufluden.

Dann kam in Folge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wieder eine Flaute, doch 1935 konnte der Umsatz wieder gesteigert werden und es wurden Magazin, Gießerei, Schweißerei, Zimmerei und Klempnerei neu gebaut. Doch dann machte der 2. Weltkrieg dem Werk zu schaffen (Arbeitskräftemangel, Kohleknappheit). Obwohl es keine Zerstörungen durch Luftangriffe gegeben hatte, ruhte die Produktion von 1945 bis 1947, bis es nach der Währungsreform langsam wieder aufwärts ging.

1952 konnten wieder erste Investitionen getätigt werden, sodass in Schwarzenhütten eine Pack- und Verladestation gebaut wurde, in der der Zement in die heute üblichen Papiersäcke gefüllt wurde.

1955 wurden 3 Öfen stillgelegt, denn der erste größere Ofen (350 t) hatte sich bewährt und brachte eine erhebliche Brennstoffeinsparung mit sich. Es wurden insgesamt 12 Millionen  D-Mark investiert (u.a. für den Bau eines Schrägaufzuges für die Kreideförderung aus der Grube).

Anfang der 60er wurde eine neue Zementmühle gebaut, die Kreideförderung ganz auf Bandanlagen umgestellt und ein Löffelbagger mit einer Reißkraft von 40t beschafft. Des weiteren errichtete man einen Ofen (mit 110m hohen Schornsteinen) mit einer Tagesleistung von 1.000t. Der Hafen wurde erneuert und 1961 konnte das neue Verwaltungsgebäude fertiggestellt werden.

1968 wurde das letzte Mal investiert, nämlich in die Umstellung der Ofenbeheizung von Kohle zu Schweröl.

Danach jedoch ging es abwärts und die Anlage wurde peu à peu ausgeschlachtet bis zum endgültigen Abriss Anfang der 80er Jahre.


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