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Geschichte der Ölindustrie

Es können drei Phasen der Erdölindustrie in Nigeria unterschieden werden: erstens die Ära der Ölkonzessionen (von der Jahrhundertwende bis etwa zum Bürgerkrieg um Biafra), als Großbritannien als Kolonialmacht die alleinige Verfügungsgewalt über nigerianisches Erdöl besaß und der nigerianische Staat sich in den Anfangsjahren seines Bestehens auf die Erhebung von Steuern und Lizenzgebühren beschränkte; zweitens die Phase der zunehmenden Involvierung des Staates in die Ölindustrie bis zum Beginn der wirtschaftlichen Krise Mitte der 80er Jahre; und drittens die aktuelle Phase, die einige der für den nigerianischen Staat positiven Entwicklungen wieder rückgängig machte und die Abhängigkeit von den multinationalen Ölkonzernen verstärkte.                                                 

  Die Erdölindustrie begann in Nigeria 1907 mit Explorationsarbeiten der deutschen Bitumen Company in der Nähe von Lagos, die aber mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eingestellt werden mussten. Seit dem Mineralölgesetz von 1914 erhielten nur mehr britische Staatsbürger oder Unternehmen Lizenzen für die Erdölexploration. Nach einigen zaghaften Explorationsversuchen erhielt die Shell D'Arcy Petroleum Development Company (D'Arcy ging später in British Petroleum - BP - auf, aus Shell D'Arcy wurde das SHELL/BP-Joint Venture, das von SHELL betrieben wurde) 1938 eine Explorationslizenz für das gesamte Festland-Nigeria mit rund 950.000 km2. SHELL besaß somit ein Monopol auf die gesamten Erdölressourcen Nigerias bis etwa 1957, als es sein Fördergebiet nach der Auswahl der vielversprechendsten Felder auf rund 104.000 km2 und später, 1962, auf knappe 39.000 km2 reduzierte und damit andere Ölkonzerne die Gelegenheit erhielten, in die nigerianische Erdölproduktion einzusteigen. Diese anderen Ölkonzerne waren Mobil, Gulf (nunmehr Chevron), Agip, Safrap (nunmehr Elf) und Texaco. Das erste kommerzielle Ölfeld wurde von SHELL im Jahr 1956 in Oloibiri entdeckt, kurz darauf folgten weitere Funde in Afam, Bomu und Ebubu (alle in Rivers State) sowie in Ughelli (Delta State). 1958 erfolgten die ersten Erdölexporte. Mit einer kurzen Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs hatte SHELL somit 20 Jahre Zeit, die ertragsreichsten Ölfelder zu identifizieren und sich die Produktionslizenzen dafür zu sichern. Bis zum Bürgerkrieg beschränkte sich der nigerianische Staat darauf, Lizenzgebühren und Gewinnsteuern einzuheben.                                            

  Bereits 1964 entsandte Nigeria jedoch Beobachter zu OPEC-Konferenzen. Während des Bürgerkriegs und in den unmittelbar darauffolgenden Jahren wurde Erdöl zum dominierenden Faktor nigerianischer Politik und Wirtschaft. 1969 sicherte sich der Staat über das Erdölgesetz das Eigentum und die Kontrolle über sämtliches Erdöl, das on-shore oder off-shore gefunden wird. 1971 trat Nigeria der OPEC bei und verfolgte daraufhin neben einer ständigen Erhöhung der Besteuerung der Ölkonzerne den Kurs einer zunehmenden staatlichen Beteiligung an der Erdölindustrie.                                                                                     

  Gänzlich den Ölkonzernen gehörende Konzessionen wurden in Joint Venture-Beteiligungen umgewandelt, die zunächst die 1971 geschaffene Nigerian National Oil Corporation (NNOC) als Partner hatten und ab 1977 dann mit NNPC arbeiteten. Der staatliche Anteil stieg im Laufe der 70er Jahre von 35 % auf 60 % an, im Falle des SHELL/BP/NNPC-Joint Venture nach der Verstaatlichung des BP-Anteils sogar kurzzeitig auf 80 %.                                                                                                                                                                                                                      

Mit dem Rückgang der Erdölpreise und der nigerianischen Produktion Mitte der 80er Jahre verschlechterte sich die Verhandlungsposition des Landes gegenüber den multinationalen Ölkonzernen. In den Memoranda of Understanding (MOU) von 1986 und den Revised MOUs von 1991, die die Basis der Zusammenarbeit zwischen den Joint Venture-Partnern bilden, musste die nigerianische Regierung eine Reihe von Zugeständnissen bezüglich garantierter Mindestgewinne, Steuererleichterungen und Absetzbarkeit von Investitionskosten machen. Das damit verbundene Ziel, die Erdölproduktion zu erhöhen und neue Ölfelder zu erschließen, wurde jedoch bislang nur zum Teil erreicht.                                                  

  Insgesamt hat sich die Abhängigkeit des nigerianischen Staates von den Einkünften aus der Erdölproduktion und von den multinationalen Erdölkonzernen in dieser Phase verstärkt. Besonders signifikant ist diese Abhängigkeit im Bereich der Produktion von Rohöl, in dem SHELL mit einem Anteil von rund 50 % an der gesamten Ölproduktion eine herausragende Stellung einnimmt. Die Geschichte des Erdöls in Nigeria ist jedoch auch eine Geschichte der verpassten Gelegenheiten, der administrativen Desorganisation und des Missmanagements der vorhandenen Ressourcen.

Quelle: http://lbs.hh.schule.de/welcome.phtml?unten=/klima/energie/shell/sns-4.html