DER BEWEGTE STEIN

Ein Projekt am Franziskusgymnasium Lingen

Kurzfassung

Unser Klassenlehrer machte uns auf die Demonstrationsanlage „Hünensteinrollbahn“ am Saller See aufmerksam und so kamen wir zu unserem Projekt. Es geht um die Frage, wie Menschen früher die Steine, die sie zum Bau der Steingräber benötigten, an die gewünschte Stelle beförderten, mit welchen Hilfsmitteln gearbeitet wurde und wie viele Menschen zum Bewegen der Steine gebraucht wurden. Wir möchten eine Möglichkeit aufzeigen, wie man mit einfachen Mitteln große und unbearbeitete Steine über längere Entfernungen bewegen kann. Deshalb veranstalteten wir am Saller See mehrere Experimente. In einem Experiment bewegten wir z. B. einen 10 Tonnen schweren Stein auf einer waagerechten Ebene und zwei schiefen Ebenen.

Unsere Versuche haben gezeigt, dass man in der Lage ist, mit etwa 30 ungeübten Personen einen 10 Tonnen schweren Stein zu bewegen, wenn man dazu geeignete Seile, z. B. aus Leder, geeignetes Rollholz sowie einen vorbereiten Weg aus einseitig abgeflachten Holzstämmen besitzt. Man kann auch problemlos Steigungen mit 8 Prozent Gefälle überwinden. Das Heben von unbearbeiteten Steinen ist äußerst schwierig. Unsere Versuche haben gezeigt, dass man Höhen mit einer schiefen Ebene überwinden kann.

Bei welcher Steingröße die Grenze unserer Methode liegt, wissen wir nicht. Dies bliebe noch zu untersuchen.

Könnte der Transport so in der Steinzeit abgelaufen sein? Die steinzeitlichen Menschen konnten Holz und Rindleder bearbeiten. Deshalb wäre eine ähnliche Vorgehensweise möglich gewesen.

Zur gesamten Arbeit

Auszug aus einem Bericht der Lingener Tagespost

Erwartungsvoll und etwas angespannt stehen rund 40 junge Menschen um eine mit Holzschienen markierte Bahn. Vor ihnen ruht auf einer Holzkonstruktion ein etwa zehn Tonnen schwerer Findling, von dem strahlenförmig zehn bis 15 Meter lange Seile abgehen. Die breiten Schlaufen an den Seilenden haben die jungen Menschen um ihre Hüften geschlungen. Auf ein Kommando hin legen sich alle in die Seile und ziehen mit aller Kraft den Stein. Wird er sich bewegen?

Zunächst passiert gar nichts. Etwas enttäuscht lockern alle ihre Haltung und hören den Anweisungen ihres Lehrers zu. „Ihr müsst gleichmäßig ziehen. Es nützt nichts, wenn jeder Einzelne sich verausgabt. Ihr braucht gar nicht viel Kraft anzuwenden. Es ist nur wichtig, dass ihr alle gleichzeitig und gleichmäßig zieht“, schärft er ihnen ein und gibt noch einmal das Kommando. Und jetzt klappt es. Ganz langsam löst sich der riesige Stein aus seiner Erstarrung und bewegt sich auf den Holzbalken vorwärts. Vier kräftige Helfer achten darauf, dass der Koloss in seiner Bahn bleibt.

So könnte es auch vor mehreren Tausend Jahren gewesen sein, als auf dem Gebiet des heutigen Emslandes die gewaltigen, geheimnisvollen Steinbauten entstanden, deren Ruinen an vielen Stellen zu finden sind. Die Megalithmonumente und zahlreiche archäologische Funde belegen, dass es in der Jungsteinzeit (vor etwa 4000 bis 6000 Jahren) in Nordwestdeutschland eine Hochkultur gegeben hat. Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen für eine funktionierende Gemeinschaftsordnung und eine frühe Kultur und Religiosität gehören die ältesten noch vorhandenen Monumente unseres Landes, die Großsteingräber.

„Es gibt Menschen, die behaupten, wir Emsländer hätten nichts, worauf wir stolz sein können“, empört sich Hermann Büscher. Der Lingener Architekt ist im Emsland aufgewachsen und stolz auf seine Region. „Es gab hier eine Hochkultur, die älter ist als die ägyptische“, weiß er und belegt diese Behauptung mit dem Hinweis auf die sogenannten „Hünengräber“. „Diese Monumente sind älter als die Pyramiden“, sagt er. (...)

Die gesamte Aktion nimmt fast einen ganzen Tag in Anspruch, aber für die Schüler ist es nicht nur ein Arbeitstag. Schon allein das ungewöhnlich schöne Wetter macht den Aufenthalt am Saller See zu einem reinen Vergnügen. Zwischendurch zeigt ihnen der Hobby- Archäologe Albert Jakisch aus Baccum einige Funde aus der Steinzeit und erklärt deren Bedeutung.

Damit die Schüler für das Experiment bei Kräften bleiben, wird ihnen in der Gaststätte „Saller Quell“ eine „Steinzeitmahlzeit“ spendiert. Michael Haberland hat anlässlich der schulischen Aktion ein Menü mit dem fantasievollen Namen „Barnys Gerölleimer“ entwickelt, dazu gibt es ein Horn gefüllt mit Met.

So gestärkt legen sich die Schüler in die Seile. Es zeigt sich, dass es gar nicht so einfach ist, den dicken Brocken von der Stelle zu bewegen, auch wenn die mehr als 40 Schüler kräftig an ihren Seilen ziehen. Sobald er aber nach einigen Anläufen von der Stelle gekommen ist, klappt es wie am Schnürchen. Danach ist auch die leichte Steigung kein Problem. Die erwachsenen Helfer haben alle Hände voll zu tun, um die Rollen unter dem Stein auszutauschen und dafür zu sorgen, dass er nicht aus der Bahn gerät. Später stellen die Schüler fest, dass es gar nicht so schwer gewesen war. Im Grunde waren die Vorbereitungen viel mühsamer als die eigentliche Aktion. (...)

Lingener Tagespost vom 14. September 2002

Impressum

Redaktion und verantwortlich für den Inhalt der schriftlichen Arbeit: Katharina Albers und Daniela Vieth, beide Klasse 10 c des Franziskusgymnasiums im Schuljahr 2002/2003

Korrekturlesen: Benedikt Tondera, Schüler des 12. Jahrgangs des Franziskusgymnasiums im Schuljahr 2002/2003

Hilfe bei der Erstellung der Webseite: Gero Müller, Aachen

Organisation und Vorbereitung des Experimentes: Klasse 10c des Franziskusgymnasiums, insbesondere Katharina Albers und Daniela Vieth, Dipl. Ing. Hermann Büscher und OStR i. Pr. Christof Tondera, Franziskusgymnasium

Bilder: Katharina Albers, Daniela Vieth, Elisabeth Tondera und Christof Tondera

Franziskusgymnasium Lingen, In den Strubben 11, 49809 Lingen, Homepage: http://www.franziskusgymnasium.de

Bei der Durchführung der Experimente haben folgende Personen und Firmen teilgenommen bzw. geholfen: