Biografie



Gottfried Wilhelm Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) zählt als einer der letzten Universalgelehrten. Als Philosoph, Mathematiker, Physiker und Techniker, als Jurist, Historiker, Sprachwissenschaftler und Theologe stand er an der Spitze der Wissenschaften seiner Zeit.

Den Kontakt mit Persönlichkeiten der Zeit und der gelehrten Welt hielt er durch eine umfangreiche Korrespondenz mit 1100 Briefpartnern in über 15 000 Briefen und durch viele Reisen aufrecht. Er war einer der bedeutendsten Philosophen des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts.

Der Leibniz-Nachlass ist mit ca. 200 000 Blatt (weit überwiegend lateinisch, französisch, deutsch, zum kleineren Teil auch englisch, niederländisch, italienisch, russisch) einer der größten Gelehrtennachlässe überhaupt.


1646 - 1661

Am 1.7.1646 wurde Gottfried Wilhelm Leibniz in Leipzig als Sohn des Professors für Jura Friedrich Leibniz und dessen Frau Katharina Schmuck geboren. Von 1653 bis 1661 besuchte Leibniz die Nicolaischule in Leipzig. In der Bibliothek seiner Eltern fand Leibniz genügend Stoff für seinen Wissenshunger, und schon als Achtjähriger brachte er sich ohne fremde Anleitung, nur mit Hilfe von illustrierten Büchern, die lateinische Sprache bei, die er wenige Jahre später, ebenso wie die griechische, hervorragend beherrschte. Er studierte selbständig die Klassiker der Antike und verfasste lateinische Vorträge in Versform.

1661 - 1666

Im Alter von 15 Jahren ging Leibniz auf die Universität in Leipzig und studierte Philosophie. Zusätzlich hörte er Vorlesungen über Mathematik, griechische und lateinische Poesie. Im Sommer 1663 wechselte er für ein Semester nach Jena um Mathematik zu studieren. Zurück in Leipzig begann Leibniz 1663 ein juristisches Fachstudium. Weil ihm aus Altersgründen die Promotion in Leipzig nicht erlaubt wurde, ging er an die Universität Altdorf bei Nürnberg. Hier promovierte er zum Doktor beider Rechte (Zivilrecht und Kirchenrecht). Leibniz promovierte glanzvoll und bekam daraufhin eine Professur angeboten. Er lehnte ab, da er sich von einer akademischen Karriere nicht genügend Entfaltungsmöglichkeiten versprach.

1667 - 1670

Leibniz reiste im Herbst 1667 nach Holland, dort traf er den Philosophen Spinoza. Ende November 1667 traf er in Frankfurt am Main ein. Zusammen mit dem Hofrat Lasser entwarf er eine Neufassung des "Corpus juris", eine Systematisierung des Rechts. 1670 erhielt Leibniz eine Anstellung am Hofe des Kurfürsten und Reichskanzlers Johann Philipp von Schönborn.

1670 - 1676

Im Dienste des Kurfürsten reiste er in diplomatischer Mission 1670 nach Paris, die allerdings erfolglos war. Hier traf er den Mathematiker Christiaan Huygens und knüpfte Kontakte zu Mitgliedern der “Akademie des Sciences“. Von Paris aus nahm Leibniz im Januar 1673 an einer Gesandtschaft nach London teil. Rechenmaschine Er stellte ein erstes Modell seiner Rechenmaschine, das er von Mechanikern in Paris anfertigen ließ, der Royal Society vor. Obwohl die Rechenmaschine nicht ganz funktionierte und Leibniz nicht verraten hat, wie sie im Inneren aussah, wurde es ein großer Erfolg, so dass er im April zum Mitglied dieser berühmten Gesellschaft ernannt wurde.
Während des Aufenthaltes in Enland wurde er mit den chemischen Experimenten von Robert Boyle vertraut und informierte sich über die neuesten Erkenntnisse in Mathematik und Physik.
Zurück in Paris entwickelte Leibniz die Infinitesimalrechnung. Die erhoffte Aufnahme in die Akadémie des Sciences erfüllte sich nicht. Seinen Aufenthalt finanzierte er durch die Anfertigung von juristischen Gutachten. Doch das reichte nicht, um auf Dauer in Paris zu bleiben, zudem der weitere Bau seiner Rechemaschine große Kosten verursachte.
Leibniz entschloss sich daher, ein Angebot des hannoverschen Herzogs Johann Friedrich, als Hofrat und Bibliothekar nach Hannover zu kommen, anzunehmen. Leibniz verließ im Oktober 1676 Paris und reiste über London, wo er Einblick in Arbeiten von Newton nahm, nach Hannover.

1677 - 1679

Im Dezember 1676 traf Leibniz in Hannover ein. Er bezog eine Wohnung in der Bibliothek im Schloss an der Leine. Er erweiterte den Bestand der Bibliothek, übernahm als Hofrat juristische Arbeiten, hatte aber genügend Zeit für philosophische, mathematische und naturwissenschaftliche Studien.

1680 - 1690

In den Jahren 1680 bis 1685 reiste Leibniz rund dreißigmal in den Harz und hielt sich dort insgesamt etwa drei Jahre auf. Hier versuchte er die Harzer Bergwerke durch Windmühlen zu entwässern. Obwohl er einige technische Verbesserungen entwarf (Horizontalwindmühle, "Seil ohne Ende", konischer Seilkorb, ...) und viele Versuche durchführte, scheiterte er.

Ab 1685 arbeitete er in fürstlichem Auftrag an der Erforschung und Darstellung der Geschichte des Welfenhauses. Um den Ursprung des Welfenhauses zu erforschen und nachzuweisen reiste er 1687 über Würzburg, München, Wien, Venedig, Ferrara, Rom, Neapel, Florenz, Bologna, Modena, Wien, Prag, Dresden. In Rom wurde ihm die Betreuung der Vatikanischen Bibliothek angeboten. Er lehnte aber ab, da er dafür katholisch hätte werden müssen. 1690 kehrte er nach Hannover zurück.

1691 - 1700

Zusätzlich zu seinen Verpflichtungen am Hof von Hannover wurde Leibniz 1691 zum Leibnizhaus in Hannover Leiter der Biblioteca Augusta in Wolfenbüttel ernannt. Hier ließ er unter anderem den ersten alphabetischen Katalog anlegen. Wie immer beschäftigte er sich weiterhin mit philosophischen, naturwissenschaftlichen und mathematischen Studien. 1696 wurde er zum geheimen Justizrat ernannt. Seit 1698 wohnte er am Holzmarkt in Hannover. Am 13. März 1700 wurde Leibniz auswärtiges Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften (Académie des Sciences). 1700 wurde Leibniz Präsident der Berliner „Societät der Wissenschaften“, eine Akademie, die auf sein Betreiben und mit Unterstützung der hannoverschen Prinzessin Sophie Charlotte gegründet wurde.

1701 - 1710

1710 erschien in Amsterdam die „Theodicée“ („Rechtfertigung Gottes“), ein Buch zur Verteidigung Gottes gegen den Vorwurf, er sei ungerecht und grausam. Schon 1702 hat Leibniz mit der Niederschrift dieses Werkes begonnen. Er geht darin von der Existenz eines allmächtigen und allwissenden Gottes aus und legt dar, dass wir in der „besten aller möglichen Welten“ leben und deshalb die Existenz des Übels in der Welt nicht der Güte Gottes widerspreche.

1711 - 1716

Leibniz verbrachte 1711 - 1716 in Wien, wo er 1713 zum Reichshofrat ernannt wurde. Bereits 1711 war Leibniz zudem wissenschaftlicher Berater des russischen Zaren Peter I. 1716 verbrachte Leibniz einen Kuraufenthalt in Bad Pyrmont.

1716

Gottfried Wilhelm Leibniz starb am 14. November 1716 im Alter von 70 Jahren in Hannover. An seinem Begräbnis nahmen keine Vertreter des Hofes oder der Beamtenschaft teil. Ihm zu Ehren verleiht die Deutsche Forschungsgemeinschaft heute jährlich die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preise. Gottfried Wilhelm Leibniz war zu seiner Zeit eine der herausragendsten Persönlichkeiten des deutschsprachigen Raums.

Unterschrift Leibniz